Meine Mutter sagte mir (vielleicht ein wenig vorwurfsvoll), dass mein Opa im 2. Weltkrieg fast jeden Tag nach Hause geschrieben hat. Egal wo er war. Das konnte ich mir nicht vorstellen und jetzt -- obwohl ich den Ordner voller Briefe vor mir liegen habe, eigentlich auch nicht so richtig.
Freitag, 6. September 2013
Montag, der 6.9.1943
[Italien, den 6.9.43]
Liebe Mutter + Kick!
Nachträglich sende ich Euch nun recht herzl. Sonntagsgrüße. Es war der erste Sonntag den wir wieder mal in Ruhe verleben konnten. Sonst die Sonntage waren wir immer unterwegs. Die Zeitrechnung vergißt man hier ganz, daran das erst um 8 Uhr Wecken war erkannten wir das es Sonntag war. Wie haben uns mal richtig gewaschen und geflegt und uns einen ruhigen Tag gemacht. An besonders schönen Abenden genehmigen wir, also Thoma und ich uns ein oder zwei Flaschen Rotwein. Er hat immer noch Zucker welchen wir dann noch hineintun. Der Wein ist gut und billig hier und schon süß genug. Aber mit noch etwas Zucker schmeckt er ganz fabelhaft. Augenblicklich essen wir massig viel Tomaten die hier in Mengen wachsen. Auch Nüsse gibt es hier. Wir brauchen nur zu pflücken da wir ja im Zelt unter oder bei den guten Sachen schlafen und leben. Viel neues weiß ich sonst nicht zu berichten. So grüße ich Euch denn recht herzl. wie immer noch gesund und munter Euer
Albert
Hoffentlich kommt bald wieder Post von Euch!
Dienstag, 3. September 2013
Freitag, der 3.9.1943
[6 Italien, den 3.9.43]
Liebe Mutter + Kick!
Da morgen ein Urlauber heimfährt möchte ich diesem eben diese kurzen Zeilen mitgeben da sie dann schneller bei Euch sind. Der Urlauber ist aus Berlin und auch voll Bombenbeschädigt. Heute Mittag hörten wir die Nachricht das der Engländer - Amerikaner in Italien gelandet sind. Nun muß man mal abwarten was das gibt. Hoffentlich werden sie schnell wieder rausgehauen. Mir geht es noch immer gut. Ich denke noch oft an mein weiches Bett und an die goldige Freiheit zuhause. Aber dafür ist man mal bei Kommiß. Ich bekomme jetzt im Moment sehr wenig Post, durch die dauernde Quatierwechsel. Was gibt es neues? Schickt mir bitte schon mal den W.B. damit man was hört vom Weltgeschehen. Heute ist das Wetter trübe und dunkel, es ist eigentlich das erste Mal. So nun recht herzl. Grüße und auf baldige Post von Euch wartend Euer
Albert
Montag, 2. September 2013
Donnerstag, der 2.9.1943
[5 Italien [Bologna], den 2.9.43]
Liebe Mutter + Kick!
Gestern erhielt ich endlich die erste Nachricht von Euch vom 24.8. und war sehr erfreut etwas von Euch zu hören. Jetzt wird die Post wohl hoffentlich wieder regelmäßig eintreffen. Etwas gutes ist inzwischen eingetroffen und zwar haben wir gestern Tropenuniformen bekommen, alles prima Sachen hellbraun. Wir haben Bricheshosen und darauf Hemden und Schirmmützen. Das ist viel wert da man am Tage nicht in den grauen Tuchklamotten herum laufen kann. Heute Mittag habe ich wieder ein prima Geschäft gemacht, es gab feiner Pudding und da man so wenig bekam habe ich mir überlegt wie ich mehr ergattern könnte. Ein Beil war kaputt (in der Küche) das mußte gemacht werden und da habe ich gesagt, für Pudding mache ich es. Ich habs gemacht in 5 Minuten und erhielt ein ganzes Kochgeschirr voll, es war für uns alle reichlich. So muß mans machen. Hier wird es sehr spät morgens hell und schon früh dunkel, es ist jetzt 8 Uhr und ich kann kaum noch sehen. Am Tage ist eine Bullenhitze und Nachts zittert man wie ein Schneider. Die neue Uniform [Seite 2] steht mir auch sehr gut. Du weißt ja das mir fast alles steht. Ich habe noch immer Speck und Schinken zum Essen da Thoma für mich welches mitgenommen hatte aus Frankreich. Marmelade habe ich auch im Moment sehr reichlich. Also alles da ! Augenblicklich wieder sowas wie Platzkonzert. Unser Oskar Hofmann aus dem I.trupp spielt auf der Zieharmonika und ein paar andere Mundharmonika. Die Italiener hören gerne unsere Musik und Gesang. Die Lilli Marlen ist auch hier allbekannt und wird eben wieder gespielt. Ich bin augenblicklich sowas wie Tankwart und führe Buch über den Benzin und Verbrauch unserer Fahrzeuge. So nun aber Schluß da ich nichts mehr sehen kann. Recht herzl. Grüße an alle und besonders an Euch von Euerm
Sonny
Gute Nacht
Wir gehen immer früh ins Bett da wir nach acht Uhr nicht mehr aus dem Quatier dürfen. Also ganz *solide*!
Samstag, 31. August 2013
Samstag, der 31.8.1943 in Italien
[4 Italien [Modena], den 31.8.43]
Liebe Mutter + Kick!
Wiederum um etliche Kilometer südlicher gerückt erreichen Euch nun hiermit meine heutigen Grüße. Ich habe eben einen riesenlangen Brief an Vater geschrieben und ein sehr nettes Bildchen von mir beigelegt wo ich in Sporthose photografiert bin. Sobald ich das negativ habe schicke ich Euch dieses. Von Euch habe ich noch immer keine Post und hoffe bald welche zu erhalten. Bei mir ist sonst noch alles beim alten. Die Hitze hält an. Wir schlafen jetzt immer im Zelt. Wir sind hier in Italien die Gäste und können als solche nicht wie in Frankreich etwas beschlagnahmen. Überhaupt ist das Verhältniß schwer beschissen, wir dürfen eigentlich nichts. Es kann aber jeden Tag mal anders kommen. Über das Verhältniß Italien - Deutschland wir man ja zu hause auch reden. Hier ist man bald nicht so sicher wie in Frankreich.Morgen fängt nun das fünfte Kriegsjahr an und wollen wir unseren Herrgott bitten das in diesem Har eine glückliche Entscheidung kommt das der Krieg mal ein [Seite 2] Ende nimmt. Was machen die Kölner noch und bestelle recht herzl. Grüße an sie. Mir der Schickerei ist es nun leider aus. Wenn der Postverkehr etwas sicherer ist kann ich ja das Geld von Leni umschicken. Schreibt mir bitte deshalb Bescheid ob ich das soll. Ich kann das Geld doch hier nicht gebrauchen. So nun seid mal wieder herzl. gegrüßt
von Euerm
Albert
Schreibt!!!
Die Bedeutung der Buchstaben fällt nun fort da wir wieder woanders sind!
Was machen die Bilder von mir?
Dienstag, 27. August 2013
Freitag, der 27.81943 in Italien
[(D) 3 Italien, den 27.VIII.43]
Liebe Mutter + Kick!
Der Rotwein ist gut, aber trotzdem möchte ich hier nicht begraben sein in dieser Hitze. Dann ist hier Ebene, und alles Weintrauben und Mais. Die Berge die in der Nähe anfangen sind ganz kahl und hoch, überhaupt nicht bepflanzt. Die Aussicht ist ganz anders und ungewöhnlich, nicht übel aber ich liebe doch mehr die Wälder. Durch die Ebene gehen breite Flußbette wie der Rhein aber ohne einen Tropfen Wasser da es hier Monate nicht regnet. Warum und wozu wir hier sind, darüber darf ich nicht schreiben aber es weiß auch keiner richtig was eigentlich los ist. Man muß die Sache an sich herankommen lassen. Satt werde ich noch immer und das ist neben der Gesundheit mit das Wichtigste. Hier gibt es Riesenpfirsiche die einfach prima schmecken. Geht nur auch mal zu Walbröls und laßt Euch Obst geben, das ist eine gesunde Zusatzkost. Von Euch habe ich bis heute noch keine Post erhalten und warte ich sehr auf die nächste Post von zuhause. Bisher erhielt nur von Luischen Nachricht. Was schreibt denn Vater so neues und wie geht [Seite 2] es ihm noch? In Frankreich hat es mir besser gefallen wie hier, jedes hat seine guten und seine schlechten Seiten. Es ist ganz interessant und schön wenn man etwas herumkommt. Hier in der Hitze wird man faul und ist man meistens auch fertig von der Hitze. Wir werden wohl nicht lange hierbleiben. So nun sende ich Euch zum Schluß trotz großer Hitze noch immer der alte in alter Frische
Euer Albert
Laßt bald etwas von Euch hören ja? Grüßt alle recht herzl. von mir!
Samstag, 24. August 2013
Dienstag, der 24.8.1943 in Italien
[M(E) 2 Italien, den 24.VIII.43]
Liebe Mutter + Kick!
Da heute ein Kamerad nach Deutschland fährt kann ich diesem einen Brief mitgeben. Ich hoffe das die Post von Euch bald nachkommt das ich wieder Nachricht bekommen. Ihr könnt auch schon mal eine Zeitung schicken, bes. das Reichssportblatt. Wir sind hier nämlich noch einsamer wie in Frankreich da man das nicht als Ort bezeichnen kann wo wir hier liegen und bis zur nächsten Stadt ist es ein gutes Stück. Zusätzlich zum Essen bekommt man hier nichts oder nur Weintrauben usw. Da wird aber auch ordentlich was vertilgt. Es ist jetzt 11:20 Uhr morgens, wir haben gerade gegessen, wir essen hier immer sehr früh wegen der großen Hitze. Ich habe gestern zum erstenmal selbst ein Hemd gewaschen, es war durch die lange Fahrt kohlschwarz. Weiß ist es ja nicht geworden aber die helle Farbe kam wieder heraus und die liebe Sonne hat es dann noch etwas gebleicht. In der Hitze hier kann man nicht viel tun und wir machen uns den Dienst so angenehm wie es möglich ist. Die Italiener verarbeiten sich auch nicht, ich kann das bei dem Klima aber auch verstehen. Sonst stehen wir in einem etwas komischem [Seite 2] Verhältniß zu den Italienern, wir sind die Gäste und dürfen unter keinen Umständen die Ursache zu einem Streit sein. Wir müssen uns deshalb oft allerhand gefallen lassen. Aber wer weiß wie lange noch! Wir können uns mit den Leuten kaum verständigen sprachlich, in Frankreich ging das viel besser. Aber was wir haben wollen bekommen wir doch und wenn wir mit Armen und Beinen erklären müßen. Habt Ihr schon einmal bei Pilatus in Bonn nach den Bildern gefragt, wenn sie fertig sind schickt mir bitte von jedem eins. Ich hoffe das ich schöner getroffen bin wie es in Wirklichkeit ist. Denkt bitte an ein Wörterbuch in einem 100 gr. Packetchen. Mir geht es noch wie immer und Euch? Was gibt es neues in Rünesdorf[Rüngsdorf]? Einen herzl. Gruß sendet Euch nun unter der südl. Sonne Euer
Sonny
Beachtet bitte den Buchst. links in der Ecke oben, der Reihe der Briefe nach!
Herzl. Gruß an Tante, Onkel und Leni nebst Bekannten die es wert sind gegrüßt zu werden!!!
Donnerstag, 22. August 2013
Sonntag, der 22.8.1943 in Italien
[``Sowas armes, primitives wie das italienische Volk habe ich noch nicht gesehen.'' Es ist mir nicht ganz klar, was Ihn zu dieser Erkenntnis getrieben hat. V.a. weil sich diese Ansicht nicht im Laufe der nächsten Briefe bestätigen läßt. Sicherlich war das Verhältnis zwischen Italienischen und Deutschen Truppen nach der der Verhaftung Mussolinis und der Landung der Alliierten in Sizilien und etwas angespannt.]
[Italien [Mantova], den 22.VIII.43]
Liebe Mutter + Christel!
Hitze - Hitze - Weintrauben und nochmals Hitze, das ist so mein erster Endruck von Italien. Wir sind seit ein paar Tagen nun hier, genau den Ort darf ich nicht schreiben ist aber zieml. Oberitalien. Die Hitze ist so, das wir von morgens 11 - mittags 4 Uhr nichts tun. Ein paar Schritte von uns fort ist ein Fluß, welcher gerade bis zum Bauchnabel geht, darin suchen wir Zuflucht wenn es nicht mehr auszuhalten ist. Das Land ist hier ganz flach, Wald gibt es keinen dafür sieht man soweit das Auge reicht Weintrauben über Weintrauben. Sowas armes, primitives wie das italienische Volk habe ich noch nicht gesehen. Damit wir Italien nicht auskaufen sollen können wir uns kein Geld von Zuhause schicken lassen. Kreditscheine gelten hier nicht, also ist man auf den Wehrsold den wir in Lire bekommen angewiesen. Also Geld braucht ihr mir keins mehr zu schicken, oder wenn schon, dann italienisches. Päckchen kann ich Euch und könnt Ihr mir keine mehr senden oder nur bis 100 gr. Das sind so einige Bestimmungen von Italien. [Seite 2] Man muß sich freundliches darein finden solange es noch dauert. Man erwartet ja etwas . Ich bin mal gespannt wie sich mit Italien das auswirkt. Wenn ich jetzt nicht mehr soviel schreibe wie in Fr. so müßt Ihr entschuldigen, der Schweiß tropft mir jetzt schon wieder runter und dann die verdammten Fliegen. Wenn man so durch die fremden Länder kommt sieht man erst wie schön Deutschland ist. Deutschland ist das schönste Land was es gibt, Italien könnte mir nicht gefallen wenigstens der hiesige große Teil. Kärnten war der Himmel dagegen. Aber in meinen Jahren ist es interessant herum zu kommen und was zu erleben. Vater ginge hier bestimmt ein. Pflanzen tun die Leute außer Weintrauben noch viel Mais, Zuckerrohr, Feigen und Melonen. Unsere dicken Uniformen kann man kaum anziehen hoffentlich gibt es bald Tropenuniformen. Es ist gut das ich die Ledersandalen mitgenommen habe, wir sind nämlich nur in der Turn + Badehose. Für heute nun Schluß und recht herzl. Grüße von Eurem noch gesundem jetzt aber schwer schwitzendem
Albert
Jetzt heißt es nicht mehr Bon schur (Fr.) sondern Bona sera (It.) Guten Tag
[Randnotiz]
Übrigens sind die Mädchen hier 100% besser wie in Frankreich. Ihr könnt die Briefe ja an Vater weitergeben. In einem 100 gr. Päckchen könnt Ihr mir ein It. Wörterbuch schicken, es braucht nur ganz klein sein.
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