Freitag, 17. Mai 2013

Montag der 17.5.1943 in Westfrankreich





[Westfrankreich, den 17.V.43]

Liebe Eltern + Christel!

Möchte Euch kurz die herzl. Grüße senden da ich augenblicklich wenig Zeit habe. Wir liegen jetzt ungefähr für 10 Tage Fahrschule etwa 7 km von unserem früheren Quatier fort. Wir sind nur Fahrschüler und ganz ungestört. Morgens theoretisch + mittags praktisch fahren. Die Gegend hier ist einfach herrlich. Es ist als wenn man durch Gärten fährt, alles Weiden und Obstbäume und drum herum schöne Hecken. Es gefällt mir sehr gut hier, und da fast immer wunderbares Wetter ist, möchte ich garnicht nach Ohrdruf zurück. Hier ist alles bergisches Gelände und die Straßen sind sehr gepflegt und schnurgerade. Das winzige Dörfgen in dem wir jetzt zur Fahrschule liegen ist fast alles Bauernbevölkerung. Morgens und Abends trinke ich über 1 Litter [Seite 2] ganz frische Vollmilch diereckt [!] von der Kuh. Käse kann man genug haben sodas ich kein Schmiermaterial benötige. Butter habe ich auch immer genug, sogar schonmal Schinken. Also dem Sohn geht es gut, keine Bange nich. Wenn keine unverhoffte Störung kommt halte ich es hier gut aus. Entschuldigt die schlechte Schrift aber der Brief muß noch mit fort. Von Vater den Brief hatte ich ja erhalten. Nun grüßt Euch herzlich Euer

Albert

Vater laß Dir den Urlaub gut bekommen, hoffentlich hat das Barometer recht behalten.

AJa.

Donnerstag, 16. Mai 2013

Sonntag der 16.5.1943 in Westfrankreich





[Sonntagmorgen in Westfrankreich, den 16.V.43]

Liebe Eltern + Christel!

Habe heute Vaters Brief vom 11.V. erhalten. Ich ersehe daraus das es Euch zuhause noch gut geht wie es mir hier auch nocht gut geht. Hier ist augenblicklich wieder ein wunderbares Wetter und fast zu heiß für zu arbeiten. Der I.trupp baut augenblicklich eine Brücke über den Fluß vor unserem Schloß, damit die schweren Kettenfahrzeuge drüber weg können. Zu diesem Zweick haben wir diese Woche schwere Bäume gefällt und den Rohbau begonnen. Dann mache ich auch augenblicklich den Führerschein für Kettenfahrzeuge was sehr interessant und prima ist. In Urlaub kann ich also leider nicht kommen vielleicht wird das noch Juni-Juli, wenn sich bis dahin nicht die Kriegslage grundlegend geändert hat. Wie der Krieg nochmal ausgehen soll, ist mir noch reichlich unklar, jedenfalls sieht es schwarz aus. Mutter, Du hast mir so ein Schuhabdruck geschickt, was Du für eine Nummer hast weiß ich deshalb aber immer noch nicht, denn nach der Vorlage kann man selten gehen da doch meistens andere Absätze da sind. Ich habe jetzt schon so oft deswegen geschrieben. Vater soll mal sehen ob er Kreditscheine besorgen kann welche man in Zigarettenschachteln oder sowas im Paket hierhinn schickt. Habt Ihr eigentlich meine Paketmarken für April + Mai erhalten. [Seite 2] Ihr laßt nämlich reichlich wenig von Euch hören. Weil die auf meiner Bude alles mögliche nachhause schickten unter anderem auch Pfeffer + Zwiebelsamen dachte ich auch, schicke es mal es kann nicht schaden. Mit dem kaufen das ist hier schon sowas, alles ist so teuer das es nicht viel Zweck hat überhaupt viel zu kaufen. Vater, Du wirst wohl in Bonn oder anderswo mal sehen ob Du eine Pistolentasche erwischen kannst damit ich sie beim nächsten Urlaub habe. Sonst gibt es nicht viel zu berichten mehr. Es grüßt Euch nun recht herzlich Euer

Albert

Samstag, 11. Mai 2013

Dienstag der 11.5.1943 in Westfrankreich




[Westfrankreich, den 11.V.43]

Liebe Eltern + Christel!

Ich war eben beim Spieß und habe gefragt wegen Urlaub, aber der Spieß sagte da wäre nichts zu machen ich müßte warten bis das ich dran käme. Im Feldtruppenteil könnte nur auf ganz wichtige Gründe Urlaub gewährt werden. Ich habe genug geredet und erklärt, aber er sagte es wäre eben Krieg und es müßte schon ein Todesfall sein. Aber auf so einen Urlaub verzichte ich sehr gerne, ne wa. Also muß ich noch etwas warten und habe die Aussicht Pfingsten in Urlaub zu kommen. Es ist eben nichts dran zu machen und muß man sich auf den Zufall verlassen wann man sich das nächste Mal trifft. Vorläufig geht es uns ja noch gut und kann sich keiner beklagen und so ist das schon erträglicher. Man muß eben wünschen und hoffen das bald alles gut zuende geht. Es sieht ja augenblicklich überall zieml. mau aus mit der Krislage aber man darf den Mit nicht verlieren und sich auf den Führer und die Wehrmacht verlassen. Hier sind die Tage warm und die Nächte noch sehr kalt. Sonst ist noch alles beim alten. Ist ja großer Scheiße das ich nicht kommen kann wo Vater da ist, aber da ist nun nichts dran zu machen und müßen wir das beste für nächste Mal hoffen. Es grüßt Euch nun herzlich

Albert

Donnerstag, 9. Mai 2013

Sonntag der 9.5.1943 in Westfrankreich





[Sonntagmittag in Westfrankreich, den 9.V.43]

Liebe Eltern + Christel!

Ich hoffe doch das der Hausherr inzwischen angekommen ist. Ich erhielt heute seine 2 Briefe vom 25. und 29. April von Ihm. Ja jetzt muß ich sehen ob ich bis 26. Mai mal zuhaus antrudeln kann, augenblicklich fahren die welche zuletzt im Dezember Urlaub hatten. Ich dachte, Vater hätte mal an die Kompanie geschrieben. Ich werde aber morgen mal bei den Spieß gehen und die Sache klarlegen. Hoffentlich gibt es was. Lederpantoffel bekommt man hier nicht da Lederschuhe überhaupt nicht mehr da sind, nur aus Holz. Eine schöne Armbanduhr kann ich kaufen aber Preis 100 -- 150 RM und soviel Geld habe ich im Moment nicht Unterwäsche werde ich nächste Woche kaufen. Einen Bezugschein für Schuhe bekomme ich in Kürze. Auch sonst will ich noch verschiedenes kaufen, wir bekommen noch die Punkte dafür. Seidenwäsche geht ohne. Nun ist es Montag geworden, der U.V.D. kam ganz überraschend rein und da mußte ich schnell, ins Bett gestern Abend. Wir haben die ersten 2 Fahrzeuge bekommen, prima Dinger. Ich hatte schon sofort Arbeit, da in der Hupenleitung Kurzschluß war und es immer weiter hupte. Heute mittag werde ich mit dem Spieß reden. Bis auf weiteres grüßt Euch herzl.

Albert

[Seite 2]

Vater, sieh doch mal zu ob Du für die Walter Pistole (in meinem Spiegelschrank unten) Munition und eine gute Tasche für ans Koppel bekommen kannst, da ich die benötige hier. Ich muß sonst zu allem ein Gewehr mit rumschleppen, wenn ich eine Pistole habe brauch ich das nicht.

AJa.

Mittwoch, 8. Mai 2013

Samstag der 8.5.1943 in Westfrankreich




[Fr. den 8. Mai 43]

Liebe Mutter + Kick!

Mir geht es noch danke und hoffe von Euch dasselbe. Ich mache jetzt wieder Fahrschule und auch theor. Unterricht, denn ich mache jetzt einen Führerschein für Panzerwagen denn da ich im I. Trupp bin muß ich auch diese fahren können. Augenblicklich ist hier die Zeit des Rhabarbers und bin ich jetzt jeden Abend am prutzeln. Er wird aber immer prima und tue ich da ich nicht alles mit Zucker versüßen kann ein paar Süßtabletten und ein paar Löffel Zucker rein. Abend sind immer alle Schälchen, Kochgeschirre usw. voll in dem einem Rühreier, im anderen Bratkartoffel + Rhabarber, die Milch kocht dann gerade über also das ist was. 3 Stunden wird gekocht und in 5 Minuten ist alles gegessen. Was macht Vater kommt er nun wirklich. So nun seid alle herzl. gegrüßt von

Albert

Aber schön ist das Kochen doch.

Wat mät der Maibom, von wemm is er dann überhaup, weßt Ihr et noch immer net. Strenft doch Euer fraulich Kriminalistisches Denkvermögen mal an.

AJ.

Montag, 6. Mai 2013

Donnerstag der 6.5.1943 in Westfrankreich





[Westfrankreich 6.V.43]

Liebe Mutter + Christel!

Hiermit sende ich Euch die Paketzulassungsmarken für den Monat Mai. Hier ist jezuz der Rhabarber soweit und da wir in der Küche nur immer was für einen hohlen Zahn bekommen und ich gerne Rhabarbar mag, mach ich ihn mir selber in einem Elektrischen Kocher nachher Zucker dran und er ist prima. Davon kann ich Kochgeschirre voll essen. So jetzt ist es Mittag geworden, ich habe eben ein Päckchen gepackt für Euch mit 3-Käsen und 1 Stück Seife. Ist zwar keine Feinseife aber doch besser wie unsere Tanseife, sie schäumt wenigstens. Seife oder sowas braucht Ihr mir nie zuzuschicken. Ich habe noch mehrere Stücke hier und auch Schuhwichse gibt es hier genug aber fast nur schwarze. Hier gibt es sonst auch nicht mehr das wie [Seite 2] früher z.B. Kaffee, Feinseife usw. gibt es gar nicht mehr. Wenn Ihr Zwiebelsamen haben wollt oder sowas, das gibt es hier viel. Ich warte nur noch auf Antwort ob ein Päckchen angekommen ist und wie lange dies geht um zu sehen ob es Zweck hat von hier Butter zu verschicken nachhause. Irgendwelche Lebensmittelmarken oder sowas kann ich hier nicht gebrauchen. Es grüßt Euch nun herzlich Euer

Albert

Anbei 2 Zulassungsmarken
AJa.

Donnerstag, 2. Mai 2013

Sonntag der 2.5.1943 in Westfrankreich





[Westfrankreich, den 2.V.43]


Liebe Mutter + Christel!

Gestern habe ich die 36 RM erhalten und heute kamen 2 Päckchen mit Süßwaren, wofür ich herzlich danke. Gestern hatten wir Feiertag, dafür waren wir heute seit früh um 3:45 Uhr auf den Beinen und haben eine Übung gemacht mit Scharftschießen und sind erst um 5 Uhr mittags wiedergekommen. Da wir noch keine Fahrzeuge haben sind wir mit dem Fahrrad zum Übungsplatz gefahren. Ich immer hinten dran mit dem Waffenmeister und I. Trupp Personal. Wir hatten den Auftrag etwaitige Reperaturen zu machen an Fahrrädern dabei hatten wir noch nicht mal eine Luftpumpe. Das war wieder echt Komiß. Den Brief von Christel habe ich erhalten in dem sie schreibt das sie Höschen gebrauchen kann, welche Größe hat die Trandunsel natürlich wieder vergessen. Ich werde mal ein Photographie vorzeigen. Ihr glaubt gar nicht was man hier noch für gutes Geld alles zu essen bekommt. Eier kann man im Geschäft kaufen 0,25 RM. Gute Milch trinke ich jeden Abend eine Flasche voll. Butter gibt es ab und zu mal. In den Wirtschaften kann man Abendessen das ist einfach toll. Jedenfalls fühle ich mich ganz wohl hier und kann es ruhig einige Zeit hier aushalten. Viel Dienst mache ich nicht und so ist es esin bischen wie Ferien hier. [Seite 2] Mit den Höschen das werde ich schon machen und auch mit Schuhen,, ich warte nur noch auf Bezugsschein da man dann was besseres bekommt. Wir bekommen nämlich hier sowas wie Scheine. Vielleicht mache ich demnächst nochmal Fahrschule mit für einen anderen Führerschein. Ihr werdet wohl die letzten Tage keine Post  bekommen haben da keine von hier fortging. Was macht denn Vater noch, von Ihm habe ich noch nichts gehört- Augenblicklich regnet es von oben herunter in Strömen, man ist das garnicht gewohnt, es ist hier wie im Rheinland, wenn es regnet ist alles Scheiße. Zuessen habe ich also immer genug, ich wundere mich eigentlich, weil es hieß in Frankreich gibt es nichts zuessen. Die Zivilbevölkerung bekommt auch sehr wenig Brot, aber wir bekommen genug sodaß wir manches mal noch mit den Leuten tauschen gegen Milch usw. Uffz. Thoma + ich haben uns schon oft Butter selbst gemacht aus guter Milch. Wenn man in Urlaub kommt kann man allerhand mitnehmen. Hoffentlich kommt es bald mal soweit das ich Euch mit meinem Erscheinen beglücken kann. Nun grüßt Euch bis auf weiteres und auf wiederhören Euer

Sonny